Leo Königsberg - zeitgenössische Kunst
Leo Königsberg - zeitgenössische Kunst 

So wie eine Stadt ständig im Fluss ist, so sind auch Orte dieser Stadt ständig im Fluss. Gebäude entstehen, verfallen, werden abgerissen und ersetzt. Einzig die Geschichte überdauert. So auch in den Arbeiten des Künstlers Leo Königsberg. Obwohl die Thematik seiner Werkgruppen unterschiedlich ist, eines haben sie gemeinsam, sie alle setzen sich mit der Beziehung Mensch – Lebensraum – Natur – Verfall auseinander.


Es ist nicht diese sich rasant verändernde, uns umgebende Umwelt, die sich in seinen Arbeiten wieder findet. Vielmehr möchte er uns auf die aktuelle Situation hinweisen, die politisch, historisch und sozial geprägt ist. Die Ambivalenz seiner Werke beruht auch auf der Frage der eigenen Identität. Leo Königsberg möchte mit abstrakten, surrealen Elementen in seinen Bildern, seine Gedanken zum Ausdruck bringen.

In seinem Werkzyklus Post Industreal Desease bannt der Künstler zerstörte, im Verfall begriffene Industrielandschaften auf die Leinwand. Er setzt sich mit der Zerstörung durch Mensch und Natur auseinander. Als Zeuge erhält er so die Vergangenheit und beschreibt malerisch seinen persönlichen Weg, indem er mit großer Treffsicherheit das Wesen der Dinge erfasst. Sein Quellenmaterial liegt in seiner unmittelbaren Umgebung (Oberschöneweide, Berlin). Diese Industrielandschaft, war einst die Wiege der deutschen Elektroindustrie. Seit seiner künstlerischen Tätigkeit in Berlin ist er dort beheimatet. Dieses Umfeld hat in ihm eine Unmittelbarkeit des Gefühls geweckt, die sich das Ziel gesetzt hat, jene Orte zu erforschen, in denen soziale, ökonomische und politische Aktivitäten stattgefunden haben. In dem er diese verfallenen Gebäude in seinen Werken visualisiert, sie mit Farbakzenten, Strichen, Bögen und Kreisen bedeckt, erschafft er die Atmosphäre eines Orts, das ein Kraftfeld von Energie ausstrahlt. Es sind atmosphärische Kompositionen die Leo Königsberg in eigenständiger Analyse vermittelt. Seine Gemälde sind poetische Schöpfungen mit realen Inhalten, von surrealen Strukturen durchdrungen. Sie ist weitaus mehr als eine bloße Rhetorik über Industrie Archäologie in den Arbeiten des Künstlers. Es trifft ein Zitat Novalis, mit dem man dies beschreiben kann:

„...dem Gewöhnlichen einen höheren Sinn, dem Alltäglichen den Anschein des Mysteriums, dem Bekannten die Würde des Unbekannten und dem Endlichen die Züge des Unendlichen zu vermitteln..“


In Leo Königsbergs Bilderzyklus Beyond The Time findet sich eine pittoreske Ästhetik. Es ist eine gemäßigte, domestizierende Variante des erhabenen Verfalls. Er präsentiert die kleineren Arbeiten dieser Werkgruppe, die in kräftigen Farben gemalt sind, mit Zeichen des Porösen. Es ist etwas Zerstörerisches, etwas, was die Farben zersetzt und dadurch die Bildflächen morbide, in der Auflösung begriffen, erscheinen lässt. Es scheint als könne er durch ein verbindendes Element, der ins Surreale gehenden Abstraktion seine Gedanken zum Ausdruck bringen.


Sein großflächiges Gemälde 9/11 ist eine Inszenierung aufeinander getürmter, teils schwebender Eisenträger in einer surrealen Farbgebung. Wie bei einem Trompe – l’oeil, einem illusionistischen Gemälde, arbeitet der Künstler hier mittels geschickter perspektivischer Darstellungen um eine nicht vorhandene Räumlichkeit vorzutäuschen. Durch die surreale Farbgebung, die er in sein Werk einfließen lässt, entfremdet er den bedrohlichen Anblick, er verleiht dem Bild etwas , was nicht auf dem ersten Blick wahrnehmbar ist. Das Bild birgt in sich ein Geheimnis. Es ist das Geheimnis, welches Bekanntem und gleichzeitig Unbekanntem anhaftet. Dieses Werk bringt eine Archäologie der jüngsten Geschichte zum Ausdruck. Es ist die Archäologie einer Atmosphäre die geladen ist, mit dem Staub der Zerstörung. Mit diesem Gemälde greift er wieder die aktuelle Situation auf, die historisch, politisch und sozial geprägt ist.


Ganz besonders hervorheben möchte ich sein Werk In Between. Es zeigt aufgerissene Wolken, in allen Schattierungen der Farbe Blau. Diese Wolkenformationen, die teils bedrohlich, teils friedlich erscheinen, lassen die mythische Gestalt Aeolus und dessen viele Gesichter erkennen. Er bläst durch die Wolken hindurch, lässt sie schroff brechen und dann wieder friedlich ineinander über fließen.

In der Bildmitte, dieser aufgerissenen Wolkenschicht, tritt ein flaches, ruhiges, schwebendes Meer hervor. Es verleiht dem Gemälde eine unendliche Tiefe, in die man sich hinein gezogen fühlt. Man möchte in dieser Mitte schweben, die unendliche Freiheit genießen, sich fallen lassen und darin leben. Diese Darstellung lässt eine beruhigende Offenheit entstehen, ein erregendes Abenteuer.

Die Arbeiten von Leo Königsberg regen an sie kennen zu lernen um sie zu durchwandern und sie regen an, den Künstler kennen zu lernen. Sie offenbaren uns erstaunliche Einblicke in seine Welt des Kreativen und des Humanen und sie vermitteln ein Abenteuer des Geistes und des Herzens. Seine Inszenierung verweißen sowohl auf einen spielerischen, als auch einen intellektuellen Aufbau, der immer von höchster Ästhetik geprägt ist.

 

Leo Königsberg: „ Meine Arbeiten sind fertig, wenn sie vor meinen Augen zu tanzen beginnen“. 

Auch das Zitat von Paul Klee lässt sich in wunderbarer Weise auf die Gemälde des Künstlers Leo Königsberg anwenden:

„Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern macht sichtbar“

 

Erika Tanner | Kunsthistorikerin

 

 

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