Leo Königsberg - zeitgenössische Kunst
Leo Königsberg - zeitgenössische Kunst 

 

Industrielandschaften 

TRANSFORMATION DER INDUSTRIE WÜSTE

 

POST INDUSTRIAL DESEASE - LANDSCHAFTEN VON LEO KÖNIGSBERG

„Die industrielle Landschaft krankt an ihrer eigenen Erscheinung, dem

Zerstörten, dem Ausrangierten, dem Alten und Verfallenem. Aber die
Sichtbarmachung und die Aufmerksamkeit, die der Künstler Leo Königsberg
diesen Landschaften entgegenbringt, legt eine große Zuneigung offen. Der
Künstler geht an das Thema weder romantisch, noch verklärt heran, vielmehr
entschleunigt er die Industriegebäude durch eine Überlagerung der großartigen
Farbflächen, so dass die Motive in Ideen und Ideenströmen zu verschwimmen
scheinen.

 

Gattungshistorisch gewinnt die Landschaftsmalerei ihre eigenständige
Salonfähigkeit erst am ende des 19. Jahrhundert. Der Gegenstand der
Landschaftsmalerei wird als ein ästhetisches Produkt empfunden. Die
Inszenierung der Landschaft, durchsetzt und überlagert vom
naturwissenschaftlichen Interesse der Physiognomie, also dem geologischen
Porträt einer Landschaft, zielt auf das innere Erlebnis des Betrachters. Die
Darstellung einer Landschaft als Reflexionsfläche ist scheinbar an eine
Gefühlslage des Betrachters geknüpft: die Zeit, Distanz und Dynamik,
Weltlandschaften, moralische Landschaften, empirische und religiöse
Landschaft.

 

Die Industrialisierung der Gesellschaft im 19. Jahrhundert und die mit ihr
einhergehende Veränderung der Landschaft spiegelt sich als Bildmotiv in der
Malerei wieder. Die Industrielle Landschaft wird bildwürdig mit Menzel, Blechen, Constable, Turner – sie alle realisieren, dass sich die Umwelt stark verändert. Natur und Landschaft werden bei den Künstlern der sich industriealisierenden Gesellschaft nicht mehr als Fluchtraum erkannt, sondern vor allem als Natur in domestizierter Form. Die Landschaft ist versöhnendes Moment zwischen Industrie und Natur. Aber immer noch trägt die Maler des 19. Jahrhunderts der Gedanke der Scheidung vom Schönen und Nützlichen. Insofern bleibt die Landschaftsmalerei mit Industriemotiven hoch angesiedelt und kommt eher einem Historienbild gleich denn einem kritischen Standpunkt.

 

Der Glaube an die Industrie als Heilsbringer für die Menschen und ihre
Bedürfnisse erreichte seinen Höhepunkt im 20. Jahrhundert. Aber auch die
sozialen, gesundheitlichen und gesellschaftlichen Probleme fanden ihren
motivischen Niederschlag in der bildenden Kunst. Die Zerstörung der Umwelt,
die beinahe schon katastrophale Ausmaße annimmt, wird zum Bildthema, hier
vor allem in der Photographie.

 

Die postindustrielle Gesellschaft, die Informationsgesellschaft, definiert sich
ausschließlich über die Schnelligkeit und die schnelle Reaktion auf
Informationen und Wissen. Aber was geschieht mit den industriellen
Landschaften? Wie nimmt sich ein Maler der zerstörten, der scheinbar
überflüssig gewordenen Industriegebäude an? Information und Produktion
scheinen sich jetzt auszuschließen und liegen nicht mehr in eine Landschaft
eingebettet. Eine Offenlegung ist notwendig und scheint angezeigt. Dieses
Sichtbarmachen umfasst raumgreifend den Transformationsprozess, der der
industriellen Gesellschaft aus dem 19. Jahrhundert ebenso gerecht wird wie der
des 21. Jahrhunderts. Die Landschaftsmalerei nimmt einen vermittelnden
Standpunkt ein und wird wieder zum versöhnenden Moment.

 

In seinen großformatigen Bildern zeigt Leo Königsberg den schroffen aber auch

liebevollen Umgang mit der städtischen und industriellen Landschaft in Berlin.
Der Maler legt in großen Entwürfen und feinsinnigen Überlagerungen, die verwirrend harte Zuneigung in sowohl weichen Tönen als auch harten Linien

seinen künstlerischen Blick auf die industrielle Landschaft offen. In Acryl auf

Leinwand zeichnet Königsberg in scheinbar gefälligen Tönen und krassen
Gegensätzen den Mangel aber auch den Überfluss, den Reichtum an

Möglichkeiten, mit diesen Relikten der industriellen Landschaft umzugehen und

sie einer neuen Bestimmung zuzuführen. Der Maler vertraut in die Kreativität der Menschen und dokumentiert den Umgang mit scheinbar verödeten Plätzen und Landschaften, die einer neuen Idee zugeführt werden.“

 

Susanne Mangold | Kunsthistorikerin

 

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